Im Rahmen des Re:SET Forschungsprojekts Bürgewald fand am 12. Dezember 2025 ein ganztägiges Kolloquium an der Bergischen Universität Wuppertal statt. Die Veranstaltung war Teil der interdisziplinären und hochschulübergreifenden Zusammenarbeit zwischen der Technischen Universität Darmstadt, der Bergischen Universität Wuppertal sowie der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen.

Ziel des gemeinsamen Tages war es, den Austausch zwischen den beteiligten Disziplinen zu vertiefen, die bisherigen Erkenntnisse der sozialen, räumlichen und ökonomischen Forschung zusammenzuführen und das Transformationspotenzial des Re:SET Forschungshauses in Bürgewald gemeinsam weiterzudenken. Neben der fachlichen Auseinandersetzung stand insbesondere auch das persönliche Kennenlernen und die Vernetzung der Teilnehmenden im Fokus.

Teilnehmende und beteiligte Akteure

Am Kolloquium nahmen Studierende, Lehrende und Forschende aus unterschiedlichen Fachrichtungen teil. Vertreten waren Studierende des Re:SET Seminars der TU Darmstadt sowie der Studiengänge Ökonomie des Planens und Bauens und Public Interest Design der Bergischen Universität Wuppertal. Begleitet wurden sie von Lehrenden beider Hochschulen, darunter Prof. Anett-Maud Joppien, Dipl.-Ing. Albert Dietz, Dipl.-Ing. Karolin Kegel und M.Sc. Julia Knapp von der TU Darmstadt sowie Prof. Klaus Overmeyer, Prof. i.V. Roland Busch und M.Sc. Aline Haustein von der Universität Wuppertal.

Darüber hinaus nahmen M.A. Sharon Nathan und M.A. Felix Feldhofer als Vertreter die Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen teil, die das Re:SET Projekt begleiten. Ergänzt wurde der fachliche Austausch durch die sozialwissenschaftliche Perspektive von M.A. Moritz Fedkenheuer, der online zugeschaltet war.

Kolloqium ReSET Bürgewald Begrüßung

Begrüßung und Einstieg in den Bürgewald-Workshop im Rahmen des Re:SET Forschungsprojekts. © Sharon Nathan

Auftakt und Rückblick auf Session 1

Das Forschungskolloquium begann mit einem offenen und persönlichen Auftakt, der Raum für erstes Kennenlernen und informellen Austausch bot. In einer Vorstellungsrunde kamen Lehrende, Forschende und Studierende zusammen, bevor in kurzen Präsentationen die bisherigen Ergebnisse aus den unterschiedlichen Disziplinen vorgestellt wurden. Der Auftakt machte deutlich, dass der gemeinsame Austausch und das gegenseitige Verständnis zentral für den weiteren Forschungsprozess sind.

Die TU Darmstadt stellte ihre bisherigen Arbeiten entlang mehrerer Strategiefelder vor, die räumliche, bauliche und gesellschaftliche Fragestellungen miteinander verknüpfen. Neben der Analyse der Bestandssituation des Forschungshauses standen insbesondere dessen Potenziale und Defizite sowie mögliche Nutzergruppen im Mittelpunkt. Ziel war es, erste Strategiebausteine zu formulieren, die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Fokus rücken und als Grundlage für ein tragfähiges Gesamtkonzept des Forschungsprojekts dienen.

Der Studiengang Public Interest Design präsentierte einen sogenannten Dorfatlas, in dem unterschiedliche Referenzdörfer vergleichend untersucht wurden. Betrachtet wurden die jeweilige Dorfidee, die handelnden Akteure sowie der Dorfraum. Ergänzend stellte der Studiengang Ökonomie des Planens und Bauens weitere Referenzorte vor, die unter den Gesichtspunkten Dorfentwicklung, Dorffunktion und Akteurskonstellationen analysiert wurden. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen dörflichen Modellen führte zu konkreten und inspirierenden Erkenntnissen, die für die Weiterentwicklung des Re:SET-Forschungshauses als gemeinschaftlich wirksames Projekt von besonderer Bedeutung sind.

In der anschließenden Diskussion wurden die Erkenntnisse aus den verschiedenen Betrachtungsebenen zusammengeführt. Dabei wurde insbesondere die geplante Befüllung des Hambacher Sees und deren mögliche Auswirkungen auf den Ort und seine Bewohnerschaft kritisch reflektiert. Darüber hinaus wurden unterschiedliche Modelle der Projektentwicklung und Vergabe intensiv diskutiert. Der kontinuierliche Wechsel zwischen den Maßstabsebenen Gebäude, Dorf, Umgebung und Mensch trug wesentlich dazu bei, die komplexen sozialen, räumlichen und ökonomischen Zusammenhänge des Projekts besser zu verstehen.

Kolloqium ReSET Bürgewald Brainstorming

Interdisziplinäre Gruppenarbeit: Studierende entwickeln gemeinsam Zukunftsszenarien für Bürgewald im Re:SET Projekt. © Sharon Nathan

Zukunftsbilder für Bürgewald in Session 2

Im zweiten Teil des Tages arbeiteten die Studierenden in gemischten, interdisziplinären Gruppen an einer gemeinsamen Skizze des Lebens in Bürgewald im Jahr 2050. Auf dieser Grundlage entwickelten die Studierenden in jeder Gruppe zunächst eine exemplarische Persona und erarbeiteten anschließend eine visionäre Erzählung und Darstellung eines Tages im Leben der gewählten Person. Diese Kurzgeschichten dienten als verdichteter Einblick in mögliche soziale, räumliche und organisatorische Zukunftsszenarien für Bürgewald.

Als Ausgangspunkt dienten unterschiedliche Personengruppen, darunter unter anderem junge Familien, Rückkehrende vom Land, Projektinitiatorinnen und -initiatoren, Gewerbetreibende und Maker-Typen, community-orientierte Menschen, Kulturschaffende und sogenannte Stadtflüchtlinge, Seniorinnen und Senioren mit neuen gemeinschaftlichen Wohn- und Lebensmodellen, neu ankommende Migranten und Geflüchtete sowie Studierende oder Berufseinsteiger mit dem Wunsch nach günstigem Wohnraum. Die Diversität dieser Perspektiven verdeutlichte die Bedeutung von Teilhabe, sozialer Vielfalt und Gemeinschaft für die Zukunft Bürgewalds.

Abschluss und Ausblick auf Forschungsstufe 02

Die Zusammenarbeit der Studierenden unterschiedlicher Universitäten erwies sich als sehr produktiv, konstruktiv und war von hoher Motivation geprägt. Die Ergebnisse wurden im Plenum präsentiert und bildeten die Grundlage für einen offenen und engagierten Austausch. Das Kolloquium endete mit einem Ausblick auf die kommenden Projektphasen und der Verabredung eines Wiedersehens im Rahmen der Schlusspräsentation der zweiten Forschungsstufe des Re:SET Projekts.