Studierende aus Kyoto und Köln im CUBITY Atelierhaus in Merzenich

Elf Architekturstudierende aus Kyoto und Köln entwerfen temporäre Architektur für die Landschaft zwischen Bürgewald und dem Hambacher Tagebau. Vom 16. bis 19. November 2026 arbeiten sie im CUBITY Atelierhaus der Stiftung für Kunst und Baukultur Britta und Ulrich Findeisen in Merzenich. Ihr Workshop „Edge Conditions“ geht der Frage nach, wie Architektur an die Geschichte des Ortes erinnern und auf seinen Wandel reagieren kann.

Der Workshop ist Teil des Austauschs zwischen der Fakultät für Architektur der TH Köln und dem Kyoto Institute of Technology (KIT). Nach ihrer Begegnung in Kyoto setzen die Studierenden ihre Zusammenarbeit vom 16. bis 25. November in Deutschland fort. Im CUBITY teilen sie für einige Tage auch ihren Alltag: Sie wohnen und arbeiten gemeinsam in dem Haus, das selbst als studentisches Architekturprojekt entstand.

KIT Tischkritik

Im Austausch über ihre Entwürfe: Studierende der TH Köln und des Kyoto Institute of Technology (KIT) entwickeln beim gemeinsamen Workshop in Kyoto ihre Ideen weiter.

Ein Austausch mit gewachsenen Verbindungen

Seit mehr als zehn Jahren arbeiten die Architekturfakultäten in Köln und Kyoto zusammen. Gegenseitige Besuche und gemeinsame Entwurfsworkshops ermöglichen es den Studierenden, eigene Vorstellungen von Architektur anhand anderer Orte und im Austausch miteinander zu hinterfragen. Die Zusammenarbeit steht im Kontext der seit 1963 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Köln und Kyoto.

Auf deutscher Seite leiten Prof. Sabine Tastel und Prof. Fabian Storch den Austausch, begleitet von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sara Nitsche. Auf japanischer Seite betreuen Prof. Dr. Akira Kakuda und Prof. Dr. Hiroaki Kimura die Studierenden. Nach der aktuellen Teilnehmerliste arbeiten fünf Studierende des KIT und sechs der TH Köln zusammen. Die Begegnungen in beiden Ländern verbinden den gemeinsamen Entwurf mit dem Kennenlernen unterschiedlicher räumlicher und gesellschaftlicher Bedingungen.

KIT Workshop workinprogress

Von der Idee zum Entwurf: Beim Workshop in Kyoto arbeiten Studierende beider Hochschulen mit Zeichnungen, Modellen und digitalen Werkzeugen an ihren Konzepten.

Seit 2023 begleitet und unterstützt die Stiftung Findeisen den internationalen Architekturaustausch zwischen der TH Köln und dem Kyoto Institute of Technology. Bereits damals beherbergte sie die beiden japanischen Professoren. Bereits damals beherbergte sie die beiden japanischen Professoren. 2024 unterstützte sie zudem die Japanexkursion der Studierenden mit einem Reisestipendium. Ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Sharon Nathan nahm 2024 selbst an der Exkursion nach Japan teil und lernte die gemeinsame Arbeit vor Ort kennen. Der bevorstehende Aufenthalt in Merzenich knüpft damit an persönliche Begegnungen und eine gewachsene Zusammenarbeit an.

Edge Conditions – das Rheinische Revier als Entwurfsaufgabe

Zwischen dem Ortszentrum von Bürgewald, dem früheren Morschenich-Alt, und der heutigen Kante des Hambacher Tagebaus suchen die Studierenden nach einem Ort für einen temporären Bauentwurf. Ihr Entwurf soll die Geschichte des Ortes, die Folgen des Braunkohleabbaus und der Umsiedlung sowie den gegenwärtigen Wandel der Landschaft aufgreifen. Standort, Größe und Nutzung wählen sie selbst und begründen ihre Entscheidungen anhand der örtlichen Bedingungen.

Die Aufgabe richtet den Blick ausdrücklich auf die heute erfahrbare Landschaft und ihren gegenwärtigen Wandel. Der geplante Tagebausee ist nicht Gegenstand des Entwurfs. In Gruppen von zwei bis drei Personen entwickeln die Studierenden eine Antwort auf die Frage, wie Erinnerung, Landschaft und gesellschaftlicher Wandel zusammenwirken. Ihre Ideen stellen sie mit Zeichnungen, Modellen und kurzen Konzepttexten vor; die Abschlusspräsentation ist für den 25. November an der TH Köln vorgesehen.

Geplant ist außerdem ein Besuch des Merzenicher Bürgermeisters Georg Gelhausen im CUBITY. Die Studierenden können mit ihm über die Zukunft Bürgewalds sprechen und erfahren, welche Fragen die Gemeinde bei der Entwicklung des Ortes beschäftigen.

Kyoto Gruppe TH Koeln

Architektur auch außerhalb des Workshops erleben: Die Gruppe der TH Köln erkundet Kyoto und gewinnt Einblicke in die Baukultur der japanischen Partnerstadt.

Nachhaltige Architektur im Alltag erfahren

Auch das CUBITY selbst bietet Anregungen für die Entwurfsarbeit. Studierende der TU Darmstadt entwickelten das Gebäude für den Solar Decathlon Europe 2014 als weltweit erstes Studierendenwohnheim im Plusenergiestandard. Der Entwurf verbindet einen sparsamen Energieeinsatz mit der Frage, wie viel privaten Raum Menschen benötigen und welche Möglichkeiten gemeinschaftlich genutzte Flächen eröffnen.

Zwölf kompakte Wohnkuben gruppieren sich um einen offenen Gemeinschaftsbereich, den Marktplatz. Rückzug und Begegnung liegen hier nahe beieinander. Wer im Haus arbeitet und wohnt, erlebt unmittelbar, wie räumliche Entscheidungen den Alltag beeinflussen. Der gemeinsame Raum wird zum Arbeitsplatz und zum Treffpunkt, seine Nutzung verlangt zugleich Rücksicht und Verständigung.

Auch die Geschichte des Gebäudes verdeutlicht den Ansatz eines sparsamen Umgangs mit Ressourcen. Beim Umzug von Frankfurt nach Merzenich im Jahr 2022 wurden rund 95 Prozent der Baukomponenten wiederverwendet. Das Haus zeigt damit, wie sich eine bestehende Konstruktion an einem neuen Standort weiter nutzen lässt. Der verantwortungsvolle Umgang mit Baumaterialien lässt sich hier am Gebäude selbst ablesen.

Kyoto Katsura Villa

Bei der Besichtigung der Katsura-Villa in Kyoto erkundet die Gruppe das Zusammenspiel von traditioneller japanischer Architektur und Gartenkunst.

Ein Versprechen an die Zukunft

Im CUBITY wird die Gruppe Gemeinschaftsräume teilen, Aufgaben verteilen und unterschiedliche Gewohnheiten miteinander abstimmen. Ein Leitfaden der Stiftung lädt die Studierenden ein, dafür eine gemeinsame Vereinbarung für die Zukunft zu entwickeln. Unter dem Titel „Ein Versprechen an die Zukunft“ halten sie fest, worauf sie gemeinsam achten möchten, und können dies bereits während ihres Aufenthalts erproben.

Die Vereinbarung ist freiwillig. Sie soll der Gruppe helfen, Absprachen für ihren Alltag zu treffen und Verantwortung für das Haus zu übernehmen. Welche Regeln sich bewähren und wo unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen, erfahren die Studierenden beim Zusammenleben. So begleitet die Frage nach dem Umgang mit gemeinsam genutztem Raum auch die Arbeit an ihren Entwürfen.

Im Anschluss an den Aufenthalt berichten wir hier ausführlicher über die entstandenen Ideen, das gemeinsame Arbeiten und die Zeit im CUBITY.